Dolby Cinema

Tilda Swinton

  • Geschlecht:
    weiblich
  • Geburtsdatum:
    05.11.1960
  • Geburtsland:
    Großbritannien

Biographie

Über 15 Jahre war sie die Gallionsfigur der englischen Avantgarde, Muse des britischen Regisseurs Derek Jarman und erklärter Liebling feministischer Filmemacherinnen, bis sie, die einst den Mainstream als "künstlerische Randerscheinung" abtat, vom Genrekino einverleibt wurde. Tilda Swinton, Tochter aus einer schottischen Offiziersfamilie, wurde 1960 geboren. Mit ihren feuerroten Haaren wirkt sie wie die Schwester der australischen Schauspielerin Cate Blanchett, hat aber einen strengeren und herberen Gesichtsausdruck an der Grenze zur Askese. Mit diesem kontrastiert ihre sinnliche Figur, die sie als attraktive Staatsanwältin in "Female Perversions" als Lockmittel für Männer wie für Frauen einsetzte. Das Psychodrama steht am Ende ihrer experimentellen Phase, die mit Jarmans Künstlerbiografie "Caravaggio" (ihr Debütfilm) begann und sich mit Auftritten in Filmen von Christoph Schlingensief ("Egomania"), Cynthia Beatt ("The Party: Nature Morte") oder Peter Wollen ("Friendship's Death") fortsetzte. Aus dieser Zeit sind ihre Rollen für Jarman in Erinnerung geblieben, so die elisabethanische Furie in dem Königsdrama "Edward II", für die sie in Venedig 1991 als beste Darstellerin geehrt wurde, und ihre madonnenhaften namenlosen Gestalten in "The Last of England" und "War Reqiuem". Den Höhepunkt ihrer Avantgardearbeit erreichte sie 1992 mit der Titelrolle in Sally Potters Verfilmung des Virginia-Woolfe-Romans "Orlando", in dem sie in verschiedenen Inkarnationen als Held Orlando durch vier Jahrhunderte durch Raum und Zeit reist. Swinton spielte noch für Lynn Hershmann-Leeson in "Leidenschaftliche Berechnung" eine Computerpionierin und in Tim Roths Inzest- und Kindesmissbrauchsdrama "The War Zone" die schweigsame verhärtete Mutter, bis sie mit der Rolle der Sal, diktatorische Herrscherin des Inselparadieses der Retro-Hippies, in Danny Boyles Aussteiger- und Verweigerungsdrama "The Beach" einem breiteren Publikum an der Seite von Leonardo Di Caprio bekannt wurde. Seitdem ist Swinton u.a. in dem Psychothriller "The Deep End" aufgetreten, wählte als Studio Executive in "Adaption" den zu Depressionen neigenden Charlie Kaufmann (Nicolas Cage) als Drehbuchautor aus, begann in "Young Adam" als frustrierte Ehefrau eines Schiffers eine Affäre mit dem Herumtreiber Joe (Ewan McGregor) und machte - gegen den Strich besetzt - in Norman Jewisons "The Statement" als kompromisslose Richterin Jagd auf einen ehemaligen französischen Nazi-Handlanger und Scharfrichter (Michael Caine). In der skurrilen Coming-of-Age-Komödie "Thumbsucker" spielte sie die Mutter eines daumenlutschenden Teenagers (Lou Taylor Pucci), in der Comic-Adaption "Constantine" den Erzengel Gabriel und in Jim Jarmuschs "Broken Flowers" eine der verflossenen Liebschaften von Bill Murray. Im Fantasy-Epos "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" trat sie 2005 als Weiße Hexe Jadis auf; ein Jahr später sollte sie als Polizeipsychologin in "Stephanie Daley" die Hintergründe einer Kindstötung enträtseln. 2008 überreichte man ihr für ihre Darstellung der Karen Crowder in "Michael Clayton" den Oscar als beste Nebendarstellerin. Die Coen-Brüder nahmen sie zusammen mit George Clooney, Brad Pitt und John Malkovich in das Ensemble ihres Films "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?" auf (2008) In der Narnia-Fortsetzung "Prinz Kaspian" gab sie erneute die Weiße Hexe, wie nun auch wieder aktuell in der dritten C.S.-Lewis-Verfilmung "Die Reise auf der Morgenröte". Als heruntergekommene Alkoholikerin "Julia" (2008) liefert sie eine grandiose One-Woman-Show und sieht danach in "Der seltsame Fall des Benjamin Button" Brad Pitt beim Jüngerwerden zu. Die herausragende Qualität der Schauspielerin Tilda Swinton zeigt sich immer dann, wenn sie Frauen spielt, die Extreme durchstehen müssen. "We need to talk about Kevin" (2011) ist das Paradebeispiel dafür. Als Vorstadt-Mutter, deren 17-jähriger Sohn ein Blutbad in seiner Schule anrichtet, erlebt sie den Horror des Verlustes und der Schuldfrage von innen und außen. Auch Wes Anderson, Chronist des Absurden, besetzte Swinton neben Bruce Willis, Edward Norton und Bill Murray für seine skurrile Familiengeschichte "Moonrise Kingdom". Für Jim Jarmusch durchwandert Tilda Swinton nun die Jahrhunderte - als Vampirin Eve, die von Blutkonserven lebt und anstelle der heruntergekommenen Menschheit Kunst und Kultur bewahrt. Gemeinsam mit "Thor"-Halbbruder Tom Hiddleston sorgt sie in "Only Lovers Left Alive" für viel Gefühl und melancholische Atmosphäre. Swinton begann ihre Theaterkarriere in England mit modernen, insbesondere deutschen Autoren (Strauss, Handke, Karge) und ist für ihre extravaganten Performances berühmt: So ließ sie sich 1995 und 1996 für ein jeweils sieben Tage dauerndes Happening in einem Glaskäfig einsperren. Tilda Swinton lebt mit Drehbuchautor John Byrne und ihren Zwillingen Sohn Xavier und Tochter Honor (geb. 1997) in Schottland.

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Filmographie

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©Pascal Le Segretain/Getty Images
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