Der Hauptmann

1945: Deutschland verliert den Krieg und der Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) desertiert. Ihm auf den Fersen ist der berüchtigte Hauptmann Junker. Der Zufall lässt Willi in einem verlassenen Auto die Uniform eines anderen Hauptmanns finden, die er prompt anzieht. Von diesem Moment an ändert sich das Spiel: Statt sich als gejagter Deserteur vor jedem Uniformträger im Straßengraben verstecken zu müssen, scharen sich plötzlich versprengte deutsche Soldaten (u.a. Milan Peschel und Frederick Lau) um den vorgeblichen Hauptmann, schließlich brauchen sie einen Befehlsgeber. Schnell wird aus dem Flüchtenden ein gnadenloser Machtmensch, der in den Wirren der letzten Kriegstage mit Dreistigkeit die Schwächen militärischer Strukturen und Prozesse ausnutzt. Herold steigt zum gefürchteten Hardliner auf, der aus dem eigenen Elend eine sadistische Zerstörungswut entwickelt, die die Greueltaten seiner einstigen Verfolger um ein Vielfaches übersteigt ?

Kompromissloser, in Schwarzweiß erzählter Kriegsfilm über den Gefreiten Willi Herold, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einer Offiziersuniform unaussprechliche Kriegsverbrechen begeht. Eine Köpenickiade hat Robert Schwentke gedreht bei seiner Heimkehr nach Deutschland, nach 13 Jahren, in denen er als erfolgreicher Mainstream-Regisseur in Hollywood gearbeitet hat. Wie die Geschichte des Schusters Wilhelm Voigt, der von Carl Zuckmayer als "Hauptmann von Köpenick" in einem Theaterstück verewigt wurde, das Helmut Käutner 1956 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle verfilmte, ist auch das, was "Der Hauptmann" erzählt, tatsächlich geschehen: Aber war "Der Hauptmann von Köpenick" ein Schelmenstück, der verschmitzt von einem Akt zivilen Ungehorsams und Behördenwahnsinn erzählte, geht es bei Schwentkes in beklemmendem Schwarzweiß gedrehten Film um Abgründe und Entmenschlichung, um das Ende der Menschlichkeit selbst, um Kadavergehorsam, ein deutsches "Salo" über den Faschisten, der in allen Menschen schlummert: Wehe, wenn er geweckt wird. Wie Schuster Voigt findet auch der Gefreite Willi Herold eine Hauptmannsuniform. Allerdings befinden wir uns in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Deutschland ist ein Trümmerfeld, jegliche Form von Ordnung und Zivilisation scheint aufgehoben. Herold ist desertiert, irrt frierend und hungrig durch die eisigen Landschaften, kann nur mit Mühe deutschen Soldaten entkommen, die Jagd auf ihn machen. Die Uniform verändert ihn auf einen Schlag. Mann um Mann schart Herold andere Soldaten um sich, fast alle ebenfalls desertiert, alle gezeichnet vom Schrecken des Krieges, manche buchstäblich zu jeder Schandtat bereit. Auf wundersame Weise fliegt Herold nicht auf: Mit seiner Truppe hält er Einzug in das Lager II der Emslandslager. Seine Ankündigung, der Führer höchstpersönlich habe ihm unbeschränkte Vollmachten verliehen, öffnet ihm Tür und Tor zu tun und zu lassen, wie es ihm gefällt. Herold und seine entmenschte Rotte richten ein Massaker an, keine Untat ist grausam genug. Es wäre nicht zu ertragen, was man auf der Leinwand sieht, wäre Schwentke nicht so ein guter und kluger Filmemacher, der genau weiß, was man zeigen darf und was nicht. An Pasolini muss man denken, an "Salon Kitty" und "Steiner", an "Son of Saul" und "The Clown Who Cried". "Der Hauptmann" ist nicht einfach die Fallstudie des Mannes, der als "Henker vom Emsland" zu trauriger Berühmtheit kam: Weil Max Hubacher diesen Willi Herold so emotionslos spielt, wie eine Chiffre, ein hübscher Kerl mit leeren Augen und ohne wirklichen Plan, was er da eigentlich macht, als sei er selbst überrascht, wie weit man ihn gehen lässt, kann sich der mit Namen wie Frederick Lau, Alexander Fehling oder Samuel Finzi bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig besetzte Film steigern in eine Art von Raserei, zu einer abstoßenden Travestie, die nicht einfach nur Lebensdaten eines Monstrums abhakt, sondern sich verdichtet zu einer quälenden Betrachtung der Maßlosigkeit männlicher Wut, eine Abrechnung mit Machtmissbrauch und der unstillbaren Lust auf Zerstörung. Doch obwohl Schwentke den Hammer so kompromisslos niedersausen lässt, steckt "Der Hauptmann" voller absurder Ironien, die den Film zur Groteske macht. Er verweist in seinen burleskesten Momenten auf "Cabaret" wie auch Hieronymus Bosch, ist eine bitterböse und endlos traurige surreale Komödie, die deutsche Antwort auf Richard Lesters "The Bed Sitting Room". ts.

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Bewertung:

Cast

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
375 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
335 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,5m Dolby Digital 5.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
236 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 6,2m Dolby Digital 5.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 10,6 x 5,7m Dolby Digital 5.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
141 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,2 x 4,7m Dolby Digital 5.1

(m)K6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
833 (+ 6 Plätze für Rollstuhlfahrer) 20,6 x 8,6m Dolby Digital Atmos

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
220 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,0 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
241 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,2 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
443 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,3 x 6,15m Dolby Digital 7.1

Kino 10

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
372 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital Atmos

Kino 11

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
334 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 12

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
230 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,9 x 5,0m Dolby Digital 5.1

Kino 13

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 4,8m Dolby Digital 5.1

Kino 14

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
142 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,1 x 4,7m Dolby Digital 5.1