Dieses bescheuerte Herz

Lenny (Elyas M'Barek), der fast 30-jährige Sohn eines Herzspezialisten, führt ein unbeschwertes Leben in Saus und Braus. Feiern, Geld ausgeben und nichts tun stehen bei ihm auf der Tagesordnung. Als sein Vater (Uwe Preuss) ihm die Kreditkarte sperrt, hat er nur eine Chance, sein altes Leben wieder zurückzubekommen: Er muss sich um den seit seiner Geburt schwer herzkranken 15-jährigen David (Philip Noah Schwarz) kümmern. Dabei prallen zunächst zwei Welten aufeinander, denn Lenny, der Lebemann aus reichem Haus, unternimmt mit dem aus einer tristen Hochhaussiedlung stammenden David all die Dinge, die dieser schon immer erleben wollte ? so wie luxuriös shoppen gehen und Sportwagen fahren. Doch schon bald stellt der sonst so verantwortungslose Lenny fest, dass er an dem todgeweihten Teenager hängt. Und zwar mehr, als ihm lieb ist...

Unwiderstehlicher Feelgood-Film nach einem Tatsachenroman über eine ziemlich ungewöhnliche beste Freundschaft gegen alle Widerstände. Mit "Mein Blind Date mit dem Leben" landete Marc Rothemund den ersten Kinohit aus deutscher Produktion in diesem Jahr. Und sollten nicht zufällig in den nächsten vier Wochen auf sämtliche Kinos des Landes Meteoriten stürzen oder wie von magischer Hand alle Festplatten gelöscht werden, auf denen der neue Film des 49-jährigen Regisseurs gespeichert ist, wird er auch den letzten deutschen Kinohit des Jahres 2017 für sich beanspruchen können. Punktgenauer kann man emotionale Knöpfe nicht drücken als dieser Film fürs Gemüt, der im Spannungsfeld ziemlich genau zwischen "Ziemlich beste Freunde" und "Honig im Kopf" eine ziemlich wahre Geschichte erzählt. Von einer ungewöhnlichen Freundschaft. Von der Läuterung eines Saulus zum Paulus, eines Hallodris, der für sich entdeckt, dass das Leben mehr zu bieten hat als einen Stammtisch im Münchner P1. Von Überlebenswillen und Humor angesichts des Unausweichlichen. Von der Lust am Leben eben. Ein Triumph der Konvention im besten Sinne ist "Dieses bescheuerte Herz" geworden, der sein Publikum in den Arm nimmt wie kein anderer Film in diesem Jahr - und Elyas M'Barek im Sog von "Fack Ju Göhte 3" auch als Schauspieler alle Türen öffnet. Nach der Darstellung des Playboys Lenny, Sohn eines Herzspezialisten, der in München in maßloser Unbeschwertheit sein Playboy-Leben diesseits jeglicher Verantwortung und Ambition feiert und mit über 30 nicht mehr vorzuweisen hat als einen unfehlbaren Modegeschmack, muss der aktuell größte Star des deutschen Kinos nicht auf ewig den Zeki Müller geben, den Berufsjugendlichen. Mit der Figur, die er hier spielt, reift auch der Schauspieler M'Barek, der offenbar dem Rat folgt, den zu Beginn des Films das Navi des gerade nach durchfeierter Nacht von ihm im heimischen Pool versenkten Audi gibt, bevor er endgültig absäuft: "Die Route wird neu berechnet." Abgesehen von der alten Junge-trifft-Mädchen-Geschichte erzählt das Kino nichts besser als vom Neuanfang, vom Traum, die eingeschlagene Richtung eines Lebens selbst neu bestimmen zu können. Je hürdenreicher und turbulenter der Weg zur Selbsterkenntnis ist, um so besser, solange am Schluss nur die Läuterung steht. Weil daran in "Dieses bescheuerte Herz" nie ein Zweifel besteht, kann man sich zurücklehnen und den Ritt genießen. Nach dem Tatsachenroman von Lars Amend blitzsauber und mit gutem Gespür dafür, was Figuren und Szenen menschlich sein lässt, in Drehbuchform gebracht von Maggie Peren und Andi Rogenhagen und von Christof Wahl in gewohnt tolle Kinobilder gepackt, wird besagter Lenny nach einer Eskapade zu viel von seinem Vater dazu verdonnert, sich um den 15-jährigen David zu kümmern - andernfalls bleiben seine Kreditkarten gesperrt. Das ist nicht die beste Ausgangslage, um einem Jungen mit multiplen, einander bedingenden lebensbedrohenden Krankheiten und in schöner Regelmäßigkeit versagenden Organen beizustehen, aber Lenny geht es wie dem Publikum: Vor dem von Philip Noah Schwarz gespielten Jungen streckt man unweigerlich die Waffen. Es ist unmöglich, nicht ergriffen zu sein von dessen Wunschliste von Dingen, die er vor seinem Tod noch machen möchte und auf der Sachen stehen wie: "Einmal von einem Mädchen geküsst werden" oder "Mama wieder glücklich sehen". Dieses bescheuerte Herz ist filmgewordener Heintje-Song, allerdings ist es der beste Song, den Heintje nie gesungen hat. Und in den das Publikum dieses lustigen, bewegenden, schönen und schamlos manipulativen Films millionenfach einstimmen dürfte. ts.

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Cast

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
375 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
335 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,5m Dolby Digital 5.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
236 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 6,2m Dolby Digital 5.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 10,6 x 5,7m Dolby Digital 5.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
141 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,2 x 4,7m Dolby Digital 5.1

(m)K6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
833 (+ 6 Plätze für Rollstuhlfahrer) 20,6 x 8,6m Dolby Digital Atmos

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
220 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,0 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
241 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,2 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
443 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,3 x 6,15m Dolby Digital 7.1

Kino 10

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
372 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 11

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
334 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 12

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
230 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,9 x 5,0m Dolby Digital 5.1

Kino 13

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 4,8m Dolby Digital 5.1

Kino 14

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
142 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,1 x 4,7m Dolby Digital 5.1