Happy Burnout

Alt-Punk Fussel ist Frauenheld, Lebenskünstler und Systemverweigerer aus Überzeugung. Arbeit? Nicht mit ihm. Er lässt es lieber ruhig angehen, hat immer einen Spruch parat und wickelt mit seinem jungenhaften Charme die Bekanntschaft von der Supermarkttheke genauso um den Finger wie seine Nachbarin Frau Pasternak und Frau Linde, die Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Die ihm verfallen ist und seine Zurückhaltung in Sachen Jobanstrengung duldet - bis eine interne Prüfung sie zwingt aktiv zu werden. Zu einem Job lässt Fussel sich nicht überreden, daher vermittelt sie ihm etwas anderes: ein Arbeitsunfähigkeits-Attest. Diagnose Burnout. Samt Therapie in einer stationären Klinik. So findet sich der chaotische Tunichtgut zwischen echten Ausgebrannten wieder, den Gestrandeten einer Gesellschaft im Effizienzwahn. Mit seiner unorthodoxen Art mischt Fussel den Laden gehörig auf und bringt die Therapeuten und Krankenschwester Alexandra auf die Palme - aber auch frischen Wind in den Laden. Und den können seine neuen Mitbewohner - der lebensmüde Sonnenstudiobesitzer Günther, der cholerische Kinder-Entertainer Datty, die überforderte Mutter Merle und Geschäftsmann Anatol - auch mehr als gebrauchen. Doch je besser er sie kennen lernt, desto mehr beginnt selbst Fussel nachzudenken. Bis irgendwann gar nicht mehr so klar ist, wer hier eigentlich wen therapiert, wer wirklich Hilfe braucht und worum es am Ende des Tages tatsächlich geht. In der Therapie. Und im echten Leben

Gelungene Komödie über einen Punker, der bei einem Aufenthalt in einer Burnout-Klinik mit Verantwortung konfrontiert wird. Immer wieder kann man gar nicht anders, als an "Einer flog übers Kuckucksnest" zu denken. Zu offenkundig sind Parallelen bei der Prämisse, bei der Personenkonstellation, bei der Hauptfigur. Entscheidend ist in diesem Fall aber, was an dem neuen Film von André Erkau anders ist als bei Milos Formans legendärem Anti-Establishment-Meisterwerk. Der Feind des vermeintlich so unangepassten Helden ist hier nämlich nicht ein unmenschliches System, sondern er selbst: Er selbst ist es, der sich und seiner Selbstverwirklichung im Weg steht. Weshalb Erkau und seine bewährten Mitstreiter des überraschend erfolgreichen und nachhaltigen Arthouse-Hits "Das Leben ist nichts für Feiglinge" - Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring (aktuell im Kino auch in "Lommbock" zu sehen), Drehbuchautor Gernot Gricksch, Produzent Michael Eckelt, Kameramann Ngo The Chau - ihren Stoff auch als Fish-out-of-Water-Komödie erzählen können, als gebührend ernste, aber augenzwinkernde Charakterstudie eines 40-jährigen Chaoten, dem es gelungen ist, zahllose Überlebensstrategien zu entwickeln, um nicht erwachsen werden zu müssen und um Himmels Willens niemals Verantwortung zu übernehmen. Fussel, so nennt sich Alt-Punk Andreas Proschka immer noch, schummelt sich durchs Leben in seinem Kiez in Hamburg, was der Film mit einer furiosen Plansequenz gleich zu Beginn des Films etabliert. Bis ihn nicht einmal mehr die heimlich in ihn verliebte Dame von der Behörde decken kann: Um nicht aufzufliegen, schickt sie Fussel in ein Sanatorium für Burnout-Kranke, wo der vermeintlich tiefenentspannteste Mann der westlichen Welt urplötzlich auf Menschen trifft, die an ihrer Existenz verzweifeln. Daraus entwickeln sich komische und kuriose Szenen und auch ein filmisch virtuoser Moment, wenn sich alle diese Fremdkörper beim Spiel in aufblasbaren Bällen auf einmal näher kommen, als ihnen lieb ist. Vor allem aber kann die Hauptfigur in diesem Umfeld ihre egozentrische Weltsicht nicht mehr aufrecht erhalten: Fussel kann einfach nicht anders, als vom Schicksal der anderen berührt zu werden. Worauf etwas in ihm freigesetzt wird, was den Film dramaturgisch in eine völlig neue Richtung katapultiert: Wenn schließlich Tränen fließen, so ist das ehrlich verdient. ts.

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Bewertung:

Cast

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
375 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
335 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,5m Dolby Digital 5.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
236 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 6,2m Dolby Digital 5.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 10,6 x 5,7m Dolby Digital 5.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
141 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,2 x 4,7m Dolby Digital 5.1

(m)K6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
833 (+ 6 Plätze für Rollstuhlfahrer) 20,6 x 8,6m Dolby Digital Atmos

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
220 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,0 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
241 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,2 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
443 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,3 x 6,15m Dolby Digital 7.1

Kino 10

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
372 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 11

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
334 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 12

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
230 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,9 x 5,0m Dolby Digital 5.1

Kino 13

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 4,8m Dolby Digital 5.1

Kino 14

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
142 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,1 x 4,7m Dolby Digital 5.1