Dolby Cinema

The Big Lebowski

Wenn sie Jeff Lebowski (Jeff Bridges) einen faulen Sack nennen, fühlt er sich nicht beleidigt. Er ist sogar stolz darauf, der trägste Mensch von Los Angeles zu sein. Er lebt in einer schäbigen Strandhütte in Venice, ernährt sich von White Russian-Cocktails, saugt ständig am Joint und ist geistig voll in den 70ern hängengeblieben, als Hippies und Gammler noch für ihren Lebensstil bewundert wurden. Mit seinen nicht weniger schrägen Kumpels, dem cholerischen Vietnam-Veteranen Walter (John Goodman) und dem leicht debilen Ex-Surfer Donny (Steve Buscemi), hängt er jeden Tag auf der Bowlingbahn herum. Eines Tages aber wird Jeff Lebowski, der sich selbst nur "Dude" nennt, aus seinem Faulenzer-Leben gerissen, als ihn zwei Schläger mit einem Millionär verwechseln, der auch Jeff Lebowski heißt. Sie verprügeln den weltfremden Hippe und pinkeln auf seinen Teppich. Doch das ist erst der Startschuß zu einer alptraumhaften Geisterfahrt.

Der tiefe Schlaf der Coen-Brüder währt gewöhnlich zwei Jahre, bevor ein neuer cineastischer Traum Gestalt annimmt. Dann wird die schlummernde Filmwelt mit einer kreativen Explosion geweckt, die Maßstäbe setzt. "The Big Lebowkski" ist eine mächtige filmische Erscheinung - eine aberwitzig-schrullige, komplizierte, aber letztlich auf nichts hinauslaufende Entführungsgeschichte im geistigen Vakuum des Späthippie-Milieus, mit der die Coens lakonisch, ironisch und formal bestechend auf Raymond Chandlers Spuren wandeln. Anspielungen auf den Film noir, vor allem auf "The Big Sleep", den der Legende nach nicht einmal Regisseur Howard Hawks ganz verstanden haben soll, gibt es zahlreiche: den Auftraggeber im Rollstuhl, zwei weibliche Verwandte zwischen Lasterhaftigkeit und cooler Exzentrik, oder den ausufernden, aber letztlich ein Nichts aufbauschenden Plot. Sogar Schauspielerin Peggy Knudsen aus "The Big Sleep" hat auf bizarre Weise Eingang in diese skurrile Hommage gefunden. Wie schon in "Hudsucker - Der große Sprung" führt ein Erzähler (hier Modell-Cowboy Sam Elliott) in die Handlung ein, die zur Zeit des Golfkriegs (Saddam Hussein hat einen schrägen Gastauftritt) in Los Angeles spielt. Zentrale Figur ist der chronische Hippie Jeff Lebowski (Jeff Bridges), alias "The Dude", dessen Leben von den Koordinaten Joint, Bowling und Arbeitstranszendierung bestimmt wird. Lebowski ist die Frührentner-Version von Sean Penns unvergeßlichem Surf-Guru Jeff Spicoli ("Ich glaub' ich steh' im Wald"), wobei die Bowling-Hallen von L.A. den Pazifik adäquat ersetzen. Dort stellt sich Lebowski mit seinem Freund Walter (Karikatur einer Post-Vietnam-Zeitbombe: John Goodman) lässig den Herausforderungen eines Sports, der die wenigen aktiven Gehirnzellen des Duos voll in Beschlag genommen hat. Dessen Kegel-Kosmos wird erst erschüttert, als Lebowski von Geldeintreibern mit dem gleichnamigen Multimillionär (David Huddleston) verwechselt wird, und diese ihr neues Revier auf dem Teppich von "The Dude" dreist markieren. Regreßansprüche, die Lebowski bei seinem Namensvetter geltend machen will, führen schließlich zu einem überraschenden Auftrag: "The Dude" soll das Lösegeld für die entführte junge Frau von Big L. übergeben. Weil dieses Vorhaben in gewohnter Coen-Tradition an den Launen des Lebens und der Gehirnaktivität zentraler Charaktere scheitert, schlittern die beiden Bowler immer tiefer ins Chaos hinein, in dem nachtragende Pornoproduzenten, ein irrwitziges deutsches Nihilisten-Trio und ein intriganter Finanz-Mogul ihre Karten ausspielen. Die Plot-Konsequenzen sind im Unterschied zu "Fargo" gewaltarm, aber überaus witzig und von inszenatorischen Einfällen übersät. Herausragend dabei diverse Traumsequenzen, die Bridges' Bowling-Fixierung karikieren und die Coens auf dem kreativen Höhepunkt zeigen. Die formale Perfektion des Films, zu der Kameramann Roger Deakins einen wesentlichen Beitrag leistet, findet in der Zeichnung der Charaktere ihre Entsprechung, die in ihrer Schrulligkeit ihresgleichen suchen (Julianne Moore als nackte Trapez-Action-Painterin, John Turturro als selbstverliebter Bowling-Matador). Unmöglich, dem Detailreichtum der Figuren, der Fülle ironischer Kommentare in einem Kinobesuch gerecht werden zu können. Somit ist "The Big Lebowski" ein Fall für cineastische Wiederholungstäter und sollte nicht zuletzt dank einer wohl gesichert guten Mundpropaganda das Einspielegebnis von "Fargo" (etwa 300.000 Zuschauer) zumindest erreichen können. Denn Dumm und Dümmer hat man selten intelligenter gesehen. kob.

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Bewertung:

Cast

Dolby Cinema

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
312 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,7 x 6,5m Dolby Digital Atmos

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
335 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,5m Dolby Digital 5.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
236 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 6,2m Dolby Digital 5.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 10,6 x 5,7m Dolby Digital 5.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
141 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,2 x 4,7m Dolby Digital 5.1

(m)K6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
833 (+ 6 Plätze für Rollstuhlfahrer) 20,6 x 8,6m Dolby Digital Atmos

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
220 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,0 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
241 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 13,2 x 5,5m Dolby Digital 5.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
443 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,3 x 6,15m Dolby Digital 7.1

Kino 10

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
372 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,8 x 6,6m Dolby Digital Atmos

Kino 11

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
334 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 15,6 x 6,6m Dolby Digital 5.1

Kino 12

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
230 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,9 x 5,0m Dolby Digital 5.1

Kino 13

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
162 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,5 x 4,8m Dolby Digital 5.1

Kino 14

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
142 (+ 2 Plätze für Rollstuhlfahrer) 11,1 x 4,7m Dolby Digital 5.1